Exerzitienreferat im Kardinal-Hengsbach-Haus

Dahler Höhe 29 - 45239 Essen - Telefon: 0201 / 490 01 22

Die Schule des Wahrnehmens und des Wahrseinlassens der Wirklichkeit.
Eine Welt-Spiritualität in Gemeinschaft

 

  1. Die Wirklichkeit wahrnehmen. - Dazu braucht es Zeit, Offenheit und die Bereitschaft, auch Neues und überraschendes zu sehen / zu hören. Es kann helfen, einzeln oder zu zweit (auch in einer kleinen Gruppe) einen Stadtteil zu begehen, Straßen entlang zu schlendern, die noch unbekannt sind (oder vermeintlich schon viel zu vertraut), Details wirken zu lassen. Einfach nur wahrnehmen.

     

  2. Die Wirklichkeit einsammeln. - In der Gruppe zusammenkommen und austauschen, ohne zu kommentieren. Hier hilft es, die gesammelten Eindrücke zunächst nachwirken zu lassen, sie dann im Gespräch anderen (in kleiner Runde oder zu Zweit) mitzuteilen und wahr sein zu lassen, auch in der möglicherweise anders oder fremd scheinenden Perspektive und Einschätzung der anderen. Von einander hören, einander mitteilen. Wahr sein lassen, was der/die andere gesehen/gehört/erkannt hat.

     

  3. Die Wirklichkeit beten bzw. betend durchdringen. - Erspüren, welche Botschaft, welcher Impuls in dem Wahrgenommen liegt. Die Tradition spricht von Kontemplation: Die Dinge betrachten wie sie sind und wie sie auf mich und auf uns wirken, welche Gefühle dabei aufsteigen. Wo entdecke ich einen Anspruch aus der Wirklichkeit an mich - und dann auch: an uns? Spricht Gott in der wahrgenommenen Wirklichkeit? Was verbirgt sich "hinter" und "unter" den wahrgenommenen Dingen?

     

  4. Der Wahrheit trauen. - Im Gespräch mitteilen: Welche Einladung, Ermutigung, Verheißung etc. spricht aus der Wirklichkeit zu uns? Gibt es genug Vertrauen, so dass aus dem Erkannten eine gemeinsame Haltung, eine gemeinsame Idee, ein gemeinsames Projekt (Weiterarbeit) entstehen könnte?

     

  5. Den Zukunftsgehalt der Wirklichkeit heben. - Wie sieht unser nächster Schritt aus, um der Wahrheit noch näher zu kommen? Was führt weiter? Hier kann es helfen, ein gemeinsames konkretes Ziel zu benennen.

     

  6. Die Wirklichkeit der Hoffnung stärken. - Ein gemeinsames Lied, Gebet, ein ritueller Abschied kann helfen, vor Gott und vor einander das Suchen und Hoffen der Gemeinschaft zu stärken und die gemeinsame Mitarbeit am Reich Gottes unter seinen Segen zu stellen.

     

  7. Der Umgang mit der Wirklichkeit und der Dialog als geistlicher Prozess. - Wer aus der Gruppe kann das Geschehene zum Abschluss als geistliches Geschehen benennen, es als solches in Worte fassen, so akzentuieren und erlebbar machen, was WIR hier eben erfahren haben: Dass nämlich Wahrnehmung und Wahrseinlassen, Sich-Einlassen auf die Wirklichkeit und das Gespräch darüber schon "spirituell" sind. Denn: Gott strömt aus allen Poren der Wirklichkeit hervor und er ist da, wo in Gemeinschaft liebevoll geteilt wird.

 

 

Klaus Kleffner.