Exerzitienreferat im Kardinal-Hengsbach-Haus

Dahler Höhe 29 - 45239 Essen - Telefon: 0201 / 490 01 22

Mein Vater unser


Nachdem ich (kirchenferner Katholik) lange gebraucht habe, das Vaterunser für mich zu interpretieren, bete ich es gern.

Vater unser

Wir haben uns nicht selbst geschaffen; wir sind gesät worden und werden geerntet werden. Dabei sind wir geborgen in Dir. Du hast uns hineingestellt in Deine uns oft unverständliche Schöpfung mit der phantastischen Möglichkeit, sie mitzugestalten.

der du bist im Himmel

Wir haben selbst unsere leiblichen Väter oft nicht erreicht, weil unsere Sprache unzulänglich war oder unsere Welten zu weit auseinander lagen. Um wie viel schwieriger ist es, Dich zu erreichen, obwohl Du auch wie unsere Väter und Mütter in uns bist. Lass uns nicht aufhören, den Grenzbereich zu Dir aufzusuchen, um Deine Sprache wenigstens zu erahnen.

geheiligt werde Dein Name

Wenn wir Dich benennen, haben wir Dich verfehlt. Jesus hat Dich Vater genannt; heute würden wir Dich eher Vater und Mutter nennen. Eltern, zu denen wir Vertrauen haben, denen wir Fragen stellen dürfen, die uns Hilfestellung geben und uns dann zum eigenverantwortlichen Handeln in Deinem Namen ins Leben entlassen.

Dein Reich komme

Wir können erkennen, dass Deine Schöpfung noch nicht vollendet ist. Wir erkennen aber auch, dass wir aus dem, was Du uns mitgegeben hast, nicht das gemacht haben und machen, was möglich war und ist. Wir sehen nur unseren Vorteil und beuten die Natur, die Tiere und uns Menschen aus. Wir führen sinnlose Kriege, oft in Deinem Namen, und lassen Menschen gnadenlos verhungern oder ohne sauberes Wasser sterben. Das ist noch nicht Dein Reich!

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Ich glaube, dass Du uns unablässig bittest, diesen Unsinn zu lassen. Wir beten deshalb inständig als Appell an uns selbst: Dein Wille geschehe!

Unser Tägliches Brot gib uns heute

Du hast uns das Leben geschenkt! Zum Leben gehört die Nahrung für den Körper und für die Seele. Für uns heißt dies, dafür zu sorgen, dass kein Mensch auf dieser Erde auf das tägliche Brot verzichten muss, weder auf Nahrung für den Körper noch auf Nahrung für die Seele. Die Äcker reichen aus und die Liebe sprudelt aus unerschöpflichen Quellen. Diese Bitte sollte überflüssig werden!

Und vergib uns unsere Schuld

Wir leiden unter der Last der Schuld, die wir auf uns geladen haben und immer wieder auf uns laden durch unser Handeln. Wir wissen aber auch, dass Nichthandeln Schuld nach sich ziehen kann. Unsere Chance ist es, aus Fehlern lernen zu dürfen. Aber auch unsere Lernfähigkeit ist oft unterentwickelt. Wir sind unfertig wie die Schöpfung; und so wissen wir uns akzeptiert.

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Zu vielen Menschen ist uns der Weg versperrt, weil sie uns nicht entsprechen. Lass uns in unserem Bemühen nicht nachlassen, ihr Anderssein zu respektieren.

Und führe uns nicht in Versuchung

Lass uns nicht verzweifeln, wenn wir von unserem Weg abkommen. Die Versuchung ist groß, das Vertrauen in unsere Möglichkeiten zu verlieren. Lass nicht zu, dass wir aufhören, daran zu glauben, dass Du es gut mit uns meinst.

Sondern erlöse uns von dem Bösen

Unser Weg mit Dir ist immer Gefahren ausgesetzt. Hilf uns bei allen Entscheidungen, die zu sehr von angstbesetzten und selbstsüchtigen Motiven geprägt sind, damit wir unser Ziel nicht aus den Augen verlieren. Dein Wille geschehe.

Amen

Amen

 

Herbert Gerold

 

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