Exerzitienreferat im Kardinal-Hengsbach-Haus

Dahler Höhe 29 - 45239 Essen - Telefon: 0201 / 490 01 22

Brief an die Gemeinde

Credo-Projekt
Liebe Schwestern und Brüder!
Sie sind es gewohnt, dass nach den Sommerferien, dem Gemeindefest, der Urlaubszeit, für mich der pastorale Alltag wieder einkehrt. Und Sie haben gemerkt, wenn Sie in irgendwelchen pastoralen oder katechetischen Gruppen mitarbeiten, dass es dieses Mal anders ist.
Auf Grund einer völlig überraschenden Tumorerkrankung werde ich voraussichtlich die nächstliegende Zeit nicht überleben. Ich danke Ihnen für alle Zeichen des Mittragens, des Gebets und die Gedanken, die mich in den letzten Wochen erreicht haben. Leider kann ich es Ihnen nicht mehr persönlich sagen, denn für weitere Besuche bin ich zu schwach. Ich möchte aber mit Ihnen auf diesem Weg die eine oder andere Erfahrung teilen.
Wie Sie ja wissen, gehören Beerdigungen zu meinen täglichen Aufgaben. Und wer mit mir schon eine Beerdigung gefeiert hat, weiß auch, dass mir der Tod als solches keinen Schrecken bereitet. Besondere Gottesbegegnungen während meiner Erkrankung haben mir gezeigt, dass das, was wir erwarten, unaussprechlich schön sein wird.
Ausgehen von dem Wort: Man sieht nur mit dem Herzen gut!“ (Antoine de Saint-Exupéry) ist in den letzten Jahren in der Pastoral viel über „Augen-„ und „Herz-Menschen“ nachgedacht worden. Mir ist noch einmal klar geworden, dass für eine funktionierende Gemeinschaft – sei es eine kleine Gruppe oder die große Gemeinschaft der Kirche – Menschen mit jeglichen Gaben und Fähigkeiten lebensnotwendig sind. „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist; er bewirkt alles in allen“ (1 Kor 12,4).
Geprägt hat mich auch das Gemeinschaftswort: „Das, was immer wir tun und wollen, mit und für Christus geschieht.“ An diesem Wort habe ich mein Leben und mein Handeln im pastoralen Dienst ausgerichtet. Mit diesem Wort habe ich die wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben gesammelt. Durch dieses Wort ist vieles gelungen. Das, was nicht gelungen ist, lege ich in Gottes Hand. Um dieses Wort wissen viele meiner Wegbegleiter, Freundinnen und Freunde, die mir nahe bleiben. Um dieses Wort wissen nun auch Sie alle. Von ihm geht die Versöhnung aus. Bewahren Sie dieses Wort zum Andenken in Ihrem Herzen.

 

Andrea Hurlebusch (+)

 

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